Ev.- luth. Klosterkirche St. Marienberg, Helmstedt

Ev.- luth. Klosterkirche St. MarienBerg, Helmstedt, II / P / 24

 

Komplettrestaurierung auf den Bauzeitlichen Zustand von 1900 nach orgelbewegten Umbauten und 40-jährigem Stillstand - Bauabschnitt 1: technische Restaurierung und Einbau von 10 Registern: April - November 2016

Bauabschnitt 2: Rekonstruktion Prospektpfeifen: Mai - Oktober 2016

Bauabschnitt 3a: Restaurierung und Einbau von 4 Manualregistern: März/April 2017

 

 In der romanischen Klosterkirche St. Marienberg wurde 1877 eine Orgel mit mechanischen Hängeventilladen vom Schöninger Orgelbauer Adolf Appelt errichtet.

 

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Nach nur 23 Jahren wurde eine neue Orgel mit pneumatischen Kegelladen hinter dem Appeltgehäuse aufgestellt. Diese Arbeiten führte die Hannoveraner Firma Furtwängler & Hammer aus. Das Instrument mit 24 Registern war ein typisches hochromantisches Werk, bei dem aufgrund der geringen Bautiefe auf der Holzempore im Westen des Kirchenraums die drei Windladen treppenartig übereinander konstruiert wurden, damit kein Bauteil über den beachtlichen Appeltprospekt hinausragte. Ein Foto von 1911 zeigt das eindrucksvolle Erscheinungsbild, das schon 6 Jahre später durch Abgabe der Prospektpfeifen an die Heeresverwaltung zerstört wurde. Der leere Prospekt wurde mit Sackleinen verhängt.

 

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Umbauten in den 1960er Jahren sollten das Klangbild in üblicher Weise aufhellen, doch war vor allem die pneumatische Traktur den Entscheidungsträgern ein Dorn im Auge. Einem Gutachten mit Empfehlung zum Abriß der Orgel nicht folgend, wurde 1977 im nördlichen Querschiff eine neue Orgel gebaut. Seither blieb die Furtwängler-Orgel weitgehend unangetastet.

2011 gründete sich der Orgelbauverein, mit dem Ziel, die älteste Orgel Helmstedts wieder in ihren bauzeitlichen Zustand zurückzuversetzen.

 

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Dieses Ziel ist nun tatsächlich bald erreicht. Seit April 2016 wird die Orgel in sämtlichen Teilen restauriert, wobei der erstaunlich gute Zustand und die Abwesenheit jeglicher Schädlinge den Beteiligten große Freude bereitet.

Nachfolgend einige Bilder von der Restaurierung der einzelnen Bauteile:

 

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In der Werkstatt erfolgen die ersten Arbeiten zur Fertigung der zu rekonstruierenden Register "Cello 8'", "Geigenprincipal 8'" und "Posaune 16'".

 

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Mittlerweile sind die Windladen nahezu fertig restauriert, sämtliche Bauteile fanden wieder ihren Platz, und die aufwändige Einregulierungsarbeit ist auch schon getan. Zur Bearbeitung der sehr stark verschmutzten Orgelpfeifen haben wir uns im Turmraum eine kleine Werkstatt eingerichtet, um jedweden Schmutzeintrag in die Orgel und Kirche zu vermeiden.

 

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Während die zu ergänzenden bzw. anzulängenden Metallpfeifen in der Pfeifenbauwerkstatt entstehen, erfolgt auch die Vorbereitung für den Bau der Holzpfeifen von "Cello 8'" und "Geigenprincipal 8'". Die Pfeifenbretter aus feinjährigem Kiefernholz sind bereits fertig und bezeichnet, so dass in Kürze die Pfeifen gebaut werden können. Parallel erfolgte die Fertigstellung des Spieltisches, zuletzt mit der Restaurierung der Pedalklaviatur. Die Tasten in der Mittellage waren soweit ausgespielt, das ein Aufbringen neuer Tastenoberseiten erforderlich war. Selbstverständlich wurde wie zuvor Eichenholz gewählt, das sich mit der Zeit der dunklen Färbung der historischen Tasten annähern wird.

 

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Bis auf die noch fehlenden Porzellanplaketten der zu rekonstruierenden Register ist der Spieltisch fertig und erstrahlt in herrlichem Glanz. Die kleinen liebevoll gearbeiteten Details rechtfertigen den hohen Restaurierungsaufwand.

 

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Bevor der Einbau der rekonstruierten Prospektpfeifen erfolgen kann, wird das Gehäuse sorgfältig aufgearbeitet. Zudem können die großen Pedalpfeifen eingebaut werden.

 

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Die Prospektpfeifen sind nach rekonstruierten Abmessungen komplett neu gefertigt worden. Da der Prospekt bei Einbau der Orgel dann nicht mehr klingend einbezogen worden war, hat sich die Gemeinde entschlossen, die Pfeifen aus hochwertigem Zink anfertigen zu lassen. Der Optik tut das keinen Abbruch. Es wurde also das Bild der Orgel rekonstruiert.

 

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Als klangliches Highlight wurde zum Abschluss der Arbeiten für dieses Jahr 2016 die rekonstruierte Posaune 16' eingebaut und intoniert. Neben den bislang eingebauten 9 Labialstimmen ist sie noch sehr dominant, wird aber nach vollständiger Restaurierung der Disposition dem Gesamtklang ein wunderbares Fundament bieten.

 

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Termingerecht konnten die Bauabschnitte 1 und 2 beendet werden. Wir freuen uns über dieses tolle Projekt und wünschen der Gemeinde viel Freude mit den ersten Teilen dieser ältesten Orgel Helmstedts.

 

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Um die musikalischen Möglichkeiten der Orgel auch schon vor der finalen Fertigstellung besser nutzen zu können, wurde im März und April 2017 ein weiterer Bauabschnitt durchgeführt. Hierbei wurden 4 weitere Register, die einen relativ geringen Restaurierungsaufwand erforderten, eingebaut. Im Hauptwerk „Hohlflöte 8‘“ und „Oktave 4‘“, im Schwellwerk „Gedackt 8‘“ und Flauto dolce 4‘“. Ein großer Teil der Pfeifen war unverändert vorhanden und musste nur gründlich aufgearbeitet werden, lediglich einzelne Pfeifen mussten neu gefertigt werden. Auch die Raster waren bis auf das Diskantraster des „Gedackt 8‘“ vorhanden.

 

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Nach einfühlsamer Intonation im Kontext der schon vorhandenen Register und nach Vorbild von Vergleichsinstrumenten steht nun ein klanglich schon recht üppiges Instrument zur Verfügung, das aber dennoch nach Vollendung verlangt. Möge dies bald gelingen!

 

 

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